Go digital, stay smart & use your energy!


Rückblick: Das war der 1. Messekongress Digitalisierung der Energieforen

Die Digitalisierung verändert die Energiewirtschaft nachhaltig. Von der Erzeugung über die Verteilung bis hin zum Vertrieb bietet der digitale Wandel neue Chancen und Möglichkeiten für Energieversorger. Gleichzeitig wird die Branche vor die Herausforderung gestellt, sich dem schneller werdenden Umfeld bestmöglich anzupassen und smarte, digitale Arbeitsweisen zu entwickeln. Um diesen Spagat meistern zu können, haben wir am 22. und 23. Oktober 2019 zum ersten Mal den Messekongress Digitalisierung durchgeführt. Rund 150 Teilnehmer kamen nach Leipzig, um sich im Rahmen des Kongressprogrammes und der Ausstellermesse über aktuelle Digitallösungen der Branche zu informieren, sich über Praxisbeispiele aus dem Management auszutauschen und sich untereinander zu vernetzen.

Zwei Tage lang setzten sich Fach- und Führungskräfte der Energiewirtschaft mit den Fragestellungen der digitalen Transformation auseinander. Ein Mantra, welches sich in nahezu allen Vorträgen herauskristallisierte, lautete: Bei der Aufbruchstimmung der Digitalisierung darf man den Menschen nicht aus dem Fokus verlieren. Der digitale Wandel ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern gleichermaßen auch eine Frage der Kultur. „Die Digitalisierung umtreibt unsere Branche immer mehr. Wie auf unserem Messekongress deutlich wurde, sind es eben nicht nur die neuen Geschäftsfelder und automatisierten Prozesse, welche die Unternehmen beschäftigen, sondern gleichermaßen auch der Umgang mit den Mitarbeitern bei der eingeleiteten Transformation“, sagt Patrick Walther, Fachlicher Leiter des Messkongresses Digitalisierung.

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Patrick Walther eröffnet den 1. Messekongress Digitalisierung


Um dem Thema der Digitalisierung gerecht zu werden, wurde bei dem Kongress auf analoge Materialien und Medien verzichtet. Neben dem Besuch der Ausstellermesse und den insgesamt über 20 Keynotes und Vorträgen konnten die Teilnehmer über eine Messekongress-App an der spielerisch angelegten DIGI-Challenge – einem Gewinnspiel – teilnehmen. Getreu dem Motto des Messekongresses „go digital, stay smart & use your energy“ konnten die Kongressteilnehmer so in unterschiedlichen Aufgaben die Aussteller, Referenten und anderen Teilnehmer besser kennenlernen und Punkte für die Preisvergabe der DIGI-Challenge gewinnen.

Digitalisierung ist sowohl eine Frage der Technik als auch der Kultur

Das Kongressprogramm wurde von Philipp Tüllmann, Leiter Digital Transformation der innogy SE, und Dr. Andreas Berg, Leiter Digitalisierung der VSE AG, eröffnet. In ihrer Keynote widmeten sich die Referenten der Frage, ob Digitalisierungsstrategien in Energiekonzernen einen Top-down- oder Bottom-up-Ansatz folgen sollten. Ihre Erkenntnis: Es benötigt eine gute Kombination aus beidem. Bei der innogy SE ist Digitalisierung als hybrides Modell organisiert, mit dezentraler Ownership, aber zentraler Koordination. Das Digital Transformation Team widmet sich der digitalen Transformation von Netz & Infrastruktur und treibt u.a. digitale Themen voran und baut die digitale Community auf, welche die richtigen Mitarbeiter und das richtige Know-how miteinander verbindet. Die Digitalisierungsstrategien der VSE AG sind, aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur innogy SE, an das Vorgehen des Konzerns gekoppelt. „Die VSE nimmt die Erfahrungen im Umgang mit dem digitalen Wandel der innogy auf, stellt aber auch Technologieaufträge an den Konzern, um die Digitalisierung entsprechend umsetzen zu können“, sagt Dr. Berg. Eine funktionierende Kombination aus Top-down- und Bottom-up-Ansätzen benötige eine funktionale und übergreifende Strategie, um die Digitalisierung so voranzutreiben, dass beide Seiten davon profitieren können.

In dem zweiten Keynote-Vortrag betrachteten Dr. Erik Wende, Gesellschafter-Geschäftsführer der EWERK DIGITAL GmbH, und Benedikt Herrmann, Vorstandsmitglied der Q-nnect AG, den in der Energiebranche viel diskutierten Ansatz einer zukunftsfähigen Smart City. Den Teilnehmern wurde die Idee einer Urban Data Platform präsentiert. Wende und Herrmann sehen eine Urban Data Platform, die das gesamturbane Umfeld miteinandervernetzt, als Schlüsselfaktor und Enabler für Lebensqualität und Resilienz, in dem diese beispielweise die Kommerzialisierung und Schaffung neuer Einnahmenquellen ermöglicht oder auch Datenräume für kontextbezogenen Städtebau erstellt. Für das Publikum wurden exemplarisch vier Modelle skizziert, wie eine derartige Platform strukturiert sein kann und welchen Beitrag Energieversorgungsunternehmen zum Aufbau einer solchen Urban Data Platform leisten können. Auch an dieser Stelle verwiesen die Referenten darauf, dass es für die Umsetzung vordergründig den Menschen und sein Mitwirken bedarf.

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Dr. Erik Wende (EWERK DIGITAL) und Benedikt Herrmann (Q-nnect) präsentieren dem Fachpublikum die Idee der Urban Data Platform


Auch am zweiten Kongresstag wurde die Thematik der Smart City in den Fokus der Betrachtung gestellt. Prof. Dr. Edy Portmann, Swiss Post Professor of Computer Science an der University of Fribourg, präsentierte dem Plenum ein gesamtheitliches Konzept über die Entwicklung und die Generationen von Smart Cities. Portmann plädiert für eine smarte Verknüpfung und Symbiose von Stadt, Technologie und Mensch. Der Ansatz der Smart City 3.0 stellt den Bürger in den Vordergrund, der die Stadt aktiv mitgestaltet. In diesem Zusammenhang spricht er auch von der Vision der Smart Cities hin zu Cognitive Cities, die durch Cognitive Computing neben den Faktoren Effizienz auch Nachhaltigkeit und Resilienz einer Stadt adressieren.

Neben den hochkarätigen Keynotes hat sich der Messekongress in vier thematische Fachforen untergliedert, in denen über die zwei Tage verteilt unterschiedliche Fragestellungen betrachtet und Erfahrungsberichte geteilt wurden. In dem Fachforum „Das effiziente Stadtwerk“ gab beispielweise Karin Hausdorf, Senior Inhouse Consultant bei der Westnetz GmbH, einen Einblick in das hauseigene Projekt eKuSS. Dieses widmet sich u.a. der Digitalisierung und (Voll-)Automatisierung der Posteingangsverarbeitung des Unternehmens. Unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird ein Vorgang zur Klassifizierung der Posteingänge angelernt, der Fachdaten extrahiert und die Informationen an das CRM-System des Hauses übermittelt. Bereits 75 Prozent der Posteingangsverarbeitung der Westnetz konnten so vollautomatisiert werden.

In dem Fachforum „Der Kunde im Fokus“ wurde die Kundenbrille aufgesetzt und verschiedene Praxiserfahrungen vom Kunden-Scoring bis hin zum Bot-gestützten Kundenservice geschildert. Einen Erfahrungsbericht im Rahmen der Digitalisierung der Kundenschnittstelle lieferte Maren Jöns, Leiterin Kampagnenmanagement der NEW Niederrhein Energie und Wasser GmbH, welche den Plan-Do-Check-Act-Zyklus ins Zentrum ihres Vortrags setzte. „Planen und Vorbereiten machen bereits 70 Prozent des Zyklus aus. Es ist wichtig im ersten Schritt eine Strategie abzuleiten, die Organisation zu befähigen und ein entsprechendes Team aufzustellen“, sagt Jöns. Den Besuchern wurde verdeutlicht, dass Erfolge im Rahmen der Digitalisierung nicht nur durch die benötigte Technik ermöglicht werden, sondern auch durch entsprechendes Know-how, nötige Freiräume und den Einbezug des Menschen. Ein weiteres Highlight im Rahmen dieses Fachforums war die Vorstellung des Whitepapers der Energieforen in Kooperation mit der Quadient Germany GmbH . Untersucht wurde die Zufriedenheit der Kunden mit der Kommunikation von Energieversorgern. Ergebnisse sind u. a., dass sich die Kommunikationspräferenzen, besonders bei der jüngeren Zielgruppe, hin zu modernen Kanälen verändern und die Customer Experience zum entscheidenden USP im digitalen Wandel wird. Für die Versorger bedeutet dies, die digitalen Technologien verstärkt zu nutzen, um personalisierte Kundenerlebnisse bieten zu können.

In dem parallellaufenden Fachforum „Wandel der IT“ wurden Themen wie die Digitalisierung des Messwesens, die IT-Sicherheit und der Ansatz des Enterprise Architecture Management besprochen. Letzteres thematisierte Stefan Barth, Projektmanager Stabsstelle Digitalisierung bei der Stadtwerke Schwäbisch Hall GmbH, indem er den Teilnehmern das Zusammenspiel der IT und der geschäftlichen Tätigkeit seines Stadtwerkes näher erläuterte und den Einsatz der Business Capability Map skizzierte. Diese Map dient als Überblick aller unternehmerischen Fähigkeiten, gegliedert in Prozesse, Personen und deren Skills sowie Assets und Tools, und wird als Grundlage für strategische Entscheidungen herangezogen. Die Stadtwerke Schwäbisch Hall stellen durch die Verwendung der Map eine Verknüpfung zwischen Unternehmensstrategie und IT her, fördern dadurch die Transparenz im Haus und zeichnen die strategischen Handlungsschwerpunkte für die Mitarbeiter auf.

Verteilernetze, smarte Ortsnetzstationen, Elektromobilität, IoT-Sensorik und Co. – diese Themen sind im Fachforum „Das Netz der Zukunft“ beleuchtet worden. Dort stellte beispielsweise Lisa Hankel, Referentin Fachbereich Energiewirtschaft bei der Stromnetz Berlin GmbH, das Forschungsprojekt in Nord-Ost-Deutschland WindNODE vor, welches das Ziel verfolgt, Engpässe im Stromnetz durch den Einsatz von Flexibilitäten zu lösen. In ersten Praxisphasen, u.a. mit Kälteanlagen von Supermärkten in der Region, wurde die WindNODE Flexibilitätsplattform erstmalig getestet und Kapazitäten angeboten und abgerufen. Eine der aktuellen Herausforderungen stellt bislang noch das Niederspannungsnetz dar, da der tatsächliche Stromfluss für die Netzbetreiber weitestgehend unbekannt ist. Die Stromnetz Berlin GmbH arbeitet bereits an einem neuen Betriebsführungskonzept, welches zulässt, die Belastung der Niederspannung in Echtzeit zu beobachten, um Engpässe und verfügbare Ressourcen zu erkennen und zu verteilen.

Thematisch abgeschlossen wurde der Kongress am zweiten Tag durch die Abschluss-Keynote der Führungskräftetrainerin Daniela Schober. In ihrem Vortrag wurde den Teilnehmern eine Art Kompass für den wertschätzenden Umgang mit Menschen in Veränderungsprozessen an die Hand gegeben. Schober stellt dabei wie ihre Vorredner den Menschen in den Fokus. Sie betont, dass jeder Change-Prozess im Unternehmen als Miteinanderprozess zu verstehen ist, in dem man sich mit partizipativen Methoden zur Einbindung der Kollegen auseinandersetzen muss. „Die Notwendigkeit einer Veränderung muss von den Führungskräften nicht nur kommuniziert, sondern auch entsprechend übersetzt werden. Bleiben Sie im stetigen Dialog mit ihren Mitarbeitern und agieren Sie in Lernschleifen mit einer entsprechenden Frustrationstoleranz“, empfiehlt Schober.

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Daniela Schober (Führungskräftetrainerin) beschreibt, wie man Mitarbeiter in Change-Prozesse aktiv einbindet

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Netzwerken in lockerer Atmosphäre über den Dächern von Leipzig


Abgerundet wurde unser 1. Messekongress durch die Abendveranstaltung über den Dächern Leipzigs im FELIX. Hier konnten die Gespräche über die digitale Transformation fortgeführt und weitere Punkte für die DIGI-Challenge am Kicker- und Billardtisch gesammelt werden.

Der 1. Messekongress Digitalisierung hat gezeigt, dass der digitale Wandel die Branche umtreibt und für viel Diskussionsbedarf sorgt. Um den Austausch weiter aufleben zu lassen, werden wir auch im kommenden Jahr zum Messekongress Digitalisierung einladen. Dieser wird am 10./11. November 2020 in Leipzig stattfinden.

Ansprechpartner

Patrick Walther, Leiter Kompetenzfeld Finanzen & Controlling
Bild von Patrick Walther

+49 341 98988-527

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