Kollaboratives VSME-Projekt - von der Analyse zur Umsetzung: Wie Stadtwerke ihr Nachhaltigkeits-Reporting gemeinsam stärken

In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie die Umsetzung eines VSME-Projektes für ein Stadtwerk funktionieren kann. Wir gehen dabei auf alle wichtigen Schritte ein und schenken Ihnen wertvolle Einblicke in unsere Arbeit als Beratungsunternehmen für Stadtwerke.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Strategie und Innovation
Themen:
Nachhaltigkeit Datenanalyse Kooperationen Reporting Prozesse
Kollaboratives VSME-Projekt - von der Analyse zur Umsetzung: Wie Stadtwerke ihr Nachhaltigkeits-Reporting gemeinsam stärken

Wie wird man als kommunales Energieversorgungsunternehmen nachhaltig – und das mit klaren Daten, nachvollziehbaren Prozessen und einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitsstrategie?

Dieser Frage sind im Zeitraum von Juni bis Dezember 2025 fünfzehn Energieversorger gemeinsam mit den Energieforen und der EDW Energiedienste GmbH nachgegangen.Das Projekt bot den teilnehmenden Stadtwerken einen praxisnahen Rahmen, um ihr Nachhaltigkeits-Reporting gezielt weiterzuentwickeln – orientiert am freiwilligen Berichtsstandard VSME, der speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt wurde. 

Dabei ging es nicht nur um Technik und Zahlen. Nachhaltigkeit wird zunehmend auch von Stakeholdern, Politik und Regulierungsstellen eingefordert, während sich die Rahmenbedingungen mit CSRD und VSME weiterentwickeln. Damit wächst der Druck, Transparenz zu schaffen – und das auf einem soliden methodischen Fundament, das auch künftige Anforderungen berücksichtigt. 

Der Projektfahrplan 2025: Vom Status quo zum Prozess 

Über den gesamten Projektzeitraum von Juni bis Dezember 2025 gab es sechs Präsenz-Workshops, von denen zwei als optional angeboten wurden. Begleitet wurde das Projekt durch regelmäßig stattfindende digitale Termine, in denen sich die teilnehmenden Unternehmen zu ihren Fortschritten und Stolpersteinen austauschten. Diese Meetings hielten den Faden zwischen den Workshops, ermöglichten Rückfragen zur Methodik und machten sichtbar, wo sich ähnliche Herausforderungen wiederholten. 

Inhaltlich gliederte sich das Projekt in drei Module, die aufeinander aufbauten: 

  • Jun–Aug 2025: Ermittlung des Status quo der bereits vorhandenen Daten in den Unternehmen 
  • Aug–Dez 2025: Datenauswertung, Umsetzung erster Maßnahmen und Beschreibung des Geschäftsmodells 
  • Nov–Dez 2025: Vertiefung optionaler Themen wie THG-Bilanzierung und Nachhaltigkeitsstrategie 

So entstand ein klarer Fahrplan: vom Erfassen über das Strukturieren bis hin zum strategischen Einordnen der Nachhaltigkeitsdaten. 

Das ARGE2 Projektteam mit Beratern der Energieforen Leipzig

Modul 1: GAP-Analyse – wo stehen wir eigentlich? 

Im Workshop 1 im Juni 2025 stand die GAP-Analyse im Mittelpunkt. Die Energieforen stellten den VSME-Standard und seine geforderten Datenpunkte vor, erläuterten die Anforderungen und gaben ein Template an die Hand, mit dem jedes Stadtwerk seinen Status quo systematisch erfassen konnte. 

Das Ergebnis dieses Einstiegs: Jedes Unternehmen erhielt: 

✔️ eine strukturierte Vorlage zur Erfassung aller benötigten Daten 
✔️ inklusive einer Übersicht, ob Informationen qualitativ oder quantitativ vorliegen müssen  
✔️ und welche Anforderungen sich konkret aus VSME ergeben.  

Auf dieser Basis ließ sich erstmals klar benennen, wo bereits solide Grundlagen existieren und wo Lücken klaffen. Ausgehend von diesem Workshop analysierten die Unternehmen ihre individuelle Datenlage und erfassten den Status Quo im bereitgestellten Datenpunkt-Template. 

Modul 2: Datenlücken schließen und Prozesse erarbeiten 

Im August 2025 folgte Workshop 2 mit dem Fokus auf das Schließen von Datenlücken. Die Stadtwerke brachten ihre erarbeiteten Datenpunktlisten mit, stellten sie kurz vor und verglichen geschlossene und offene Gaps. Offene Punkte wurden systematisch nach Aufwand (kein, leicht, mittel, groß) eingeordnet und entlang der Anforderungen des Standards priorisiert. 

Aus dieser Analyse wurde ein Umsetzungsplan entwickelt:  

❓Welche Daten werden bis wann erhoben?  
❓Wer ist verantwortlich? 
❓Welche internen Reporting-Teams braucht es dafür?  

Besonders der gegenseitige und vertrauensvolle Austausch sowie die interaktiven Workshopphasen stellten in diesem, aber auch in allen anderen Workshops einen großen Mehrwert für die Unternehmen dar. Im Anschluss begannen die Unternehmen gezielt und strukturiert die ersten Datenlücken zu schließen.  

 

In Workshop 3 im Oktober/November 2025 ging es dann einen Schritt weiter: Prozesse zur Erfassung der fehlenden Daten wurden modelliert und in ersten Ansätzen implementiert. Dazu gehörten: 

  • eine Einführung in Prozessaufnahme,  
  • Kennzahlen (KPIs) sowie  
  • grundlegende Aspekte von Change- und Releasemanagement, wie sie auch für andere ESG-Pflichten relevant sind. 

Dieser Workshop befähigte die Unternehmen die Prozesse zur Datenerfassung strukturiert aufzubauen und zu implementieren. Damit wurde die Grundlage für einen erfolgreichen und effizienten Berichtsprozess gelegt. 

 

Modul 3: Optionale Vertiefungen – THG-Bilanz und Nachhaltigkeitsstrategie 

Parallel zum Hauptprojekt konnten die Unternehmen zwei optionale Themen vertiefen. In Workshop 4 (Nov–Dez 2025) stand hierfür die THG-Bilanzierung im Mittelpunkt. Behandelt wurden Grundlagen des GHG-Protokolls, das Vorgehen zur Bilanzierung sowie ein Template für die Erfassung – ergänzt um Erfahrungsberichte und Beispiele. Außerdem ging es um die Frage, wie sich auf Basis dieser Bilanz Reduktionsziele formulieren lassen. 

VSME-Projekt für Stadtwerke mit Nachhaltigkeitsreporting

Workshop 5 widmete sich der Nachhaltigkeitsstrategie. Dort wurden Kernelemente von Strategien und Geschäftsmodellen erläutert, mögliche Vorgehensweisen zur Entwicklung von Zielbildern, Vision und Mission vorgestellt und der Zusammenhang zwischen Unternehmensstrategie und Nachhaltigkeitsstrategie diskutiert sowie benötigte Ansätze für den Bericht erarbeitet. Auch die Beschreibung von Produktgruppen über Lieferanten bis hin zu Märkten spielte eine Rolle, um Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil der Unternehmensausrichtung zu verstehen. 

Abschluss und Ausblick: Berichten und vergleichen 

Im Abschlussworkshop im Dezember 2025 wurden die Ergebnisse der einzelnen Unternehmen präsentiert. Die Stadtwerke stellten ihre Vorgehensweisen vor, diskutierten noch offene Gaps und hielten fest, welche Maßnahmen sie in den kommenden Monaten priorisieren wollen. 

Damit endete ein Projekt, das vor allem eines gezeigt hat: Nachhaltigkeits-Reporting ist kein reines Zahlenwerk, sondern ein gemeinsamer Lernprozess. Die teilnehmenden Versorger haben Methoden, Werkzeuge und Routinen entwickelt, mit denen sie ihre Berichterstattung künftig strukturierter und transparenter gestalten können. Und vielleicht noch wichtiger: Sie wissen nun, dass sie mit ihren Fragen und Unsicherheiten nicht allein sind – der Austausch untereinander bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor auf dem Weg zum nachhaltigen Versorger. 

Feedback unseres Kunden

„Das Projekt zur Nachhaltigkeitsberichterstattung innerhalb der Thüringer Arbeitsgemeinschaft, begleitet durch die Energieforen Leipzig, war für uns als kleines Gaswerk Illingen ein entscheidender Erfolgsfaktor. Seit Oktober 2024 haben uns die Energieforen – von der Vorbereitung und Durchführung der Wesentlichkeitsanalyse bis hin zur aktuellen VSME-Berichterstattung – kontinuierlich, strukturiert und mit beeindruckender fachlicher Tiefe begleitet. Ohne diese Unterstützung hätten wir den Zugang zur praktischen Umsetzung in dieser Qualität nicht erreicht. Die positive Entwicklung unseres Projekts ist maßgeblich dem engagierten Team der Energieforen unter der Führung von Gerrit Schumann und Tina Schmalfuß zu verdanken. Ihre fachliche Expertise, ihre sympathische Art und ihre professionelle, jederzeit verlässliche Begleitung haben uns stets motiviert, dranzubleiben. ​ 

Besonders wertvoll war für uns zudem der vertrauliche und konstruktive Austausch innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, deren Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Versorgungsbetriebe kamen und eine Fülle an praktischen Impulsen sowie andere Perspektiven eingebracht haben.​“ 

Marc Wagner
Technischer Mitarbeiter im Innendienst  
Gaswerk Illingen Zweckverband    

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