Gemeinsam stark: Wie kleine und mittlere Stadtwerke den Weg zum VSME-Bericht meistern
Der Aufbau eines VSME-Berichts ist keine Einzelkämpferaufgabe, sondern ein kollaboratives Projekt. Genau hier setzt das Teilprojekt „Begleitung VSME“ der Thüringer Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltigkeitsberichterstattung“ an. Wir schenken Ihnen in diesem Beitrag wertvolle Einblicke.
Nachhaltigkeitsberichterstattung ist längst kein Thema mehr, das ausschließlich große, CSRD-pflichtige Konzerne betrifft. Auch kleine und mittlere Stadtwerke und Energieversorger stehen zunehmend vor der Frage, wie sie ihre ESG-Daten strukturiert, glaubwürdig und mit vertretbarem Aufwand aufbereiten können – sei es aufgrund von Anforderungen aus der Lieferkette, von Banken oder aus eigenem strategischem Interesse.
Genau hier setzt das Teilprojekt „Begleitung VSME“ der Thüringer Arbeitsgemeinschaft „Nachhaltigkeitsberichterstattung“ an: Es begleitet Energieversorger dabei, auf Basis des VSME-Standards einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen – gemeinsam, im Austausch mit anderen Unternehmen der Branche und mit fachlicher Begleitung durch die Energieforen Leipzig und die EDW-Energiedienste.
Das Format: Austausch, der trägt
Damit der Aufbau eines VSME-Berichts nicht zur Einzelkämpferaufgabe wird, ist das Projekt bewusst als kollaboratives Format angelegt und schließt direkt an unser Gemeinschaftsprojekt zur VSME-Gap-Analyse an. Wir berichteten im Blog bereits über dieses Projekt. Von März bis November 2026 treffen sich die teilnehmenden Unternehmen alle ein bis zwei Monate zu digitalen Terminen von rund 1,5 Stunden. Hier werden protokollgestützt aktuelle Themen präsentiert, diskutiert und der jeweilige Umsetzungsstand abgeglichen – ein niedrigschwelliges Format, das Raum für Fragen und einen regelmäßigen Realitäts-Check bietet.
Ergänzt wird dieser laufende Austausch durch zwei ganztägige Präsenz-Workshops, die den inhaltlichen Tiefgang liefern, den ein digitales Kurzmeeting nicht leisten kann.
Workshop I: Erste Berichte nehmen Gestalt an
Am 26. Juni 2026 kamen die teilnehmenden Energieversorger in Erfurt zu ihrem ersten ganztägigen Workshop zusammen. Nach einer fachlichen Fragerunde stand zunächst ein Blick auf die regulatorische Entwicklung im Mittelpunkt: Der VSME-Standard befindet sich im Umbruch. Ein neuer Entwurf der EU-Kommission vom 6. Mai 2026 sieht vor, den Standard in „Voluntary Standard“ (VS 2026) umzubenennen und ihn künftig als delegierten Rechtsakt zu verabschieden – womit er zu unmittelbar geltendem EU-Recht würde.
Besonders praxisrelevant für kleine und mittlere Versorger: Der geplante „Value Chain Cap“, der große, CSRD-pflichtige Konzerne künftig daran hindern soll, von Lieferanten und Partnern mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden mehr ESG-Daten einzufordern, als der VS-Standard vorsieht. Der VS 2026 könnte damit zu einer Art standardisiertem Schutzschild und einheitlicher Antwortschablone bei ESG-Anfragen aus der Wertschöpfungskette werden.
Daneben wurden im Entwurf zahlreiche Detailanpassungen bei einzelnen Datenpunkten sichtbar, etwa bei:
- Biodiversität
- Wasser
- Abfall
- und den Angaben zu Weiterbildung oder Gender Pay Gap.
Auch die Bankenperspektive kam nicht zu kurz: Am Beispiel des ESG-Scores einer ausgewählten Bank wurde gezeigt, wie Finanzinstitute Nachhaltigkeitsrisiken heute schon quantitativ bewerten, indem Sie die physischen und transitorischen Umweltfaktoren, soziale Kriterien und Governance-Aspekte zu einem Score verdichten. Dieser reicht von A (sehr geringes Risiko) bis E (hohes Risiko). Bei einigen Banken führt dieser Score heute schon zu besseren (niedriger Score) oder schlechteren (hoher Score) Konditionen bei der Kreditvergabe. Den größten Einfluss auf diesen Score haben dabei die Umweltfaktoren, insbesondere die THG-Emissionen.
Der Kern des Tages war jedoch die Praxis: In zwei ausführlichen Blöcken stellten die Energieversorger ihren jeweiligen Arbeitsstand vor – orientiert an Leitfragen zu Herausforderungen, Zeitplan und offenen Punkten. Einige Unternehmen konnten dabei bereits ihre ersten fertigen Berichte präsentieren, was der Runde als konkretes Vorbild und Diskussionsgrundlage diente. Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmenden in Einzel- und Gruppenarbeit systematisch Optimierungsmöglichkeiten für den Berichtsprozess und stellten ihre Ergebnisse im Plenum vor. Den Abschluss bildeten ein Ausblick auf die restlichen Monate des Jahres 2026 sowie eine Feedbackrunde.
Wie es weitergeht
Bis November stehen für die Unternehmen nun konkrete Aufgaben an: Letzte Datenlücken schließen, notwendige Texte erstellen, den Bericht finalisieren – wahlweise über die DNK-Plattform – und layout-technisch auf das jeweilige Corporate Design abstimmen. Parallel dazu können optional weitere Workshops zu Themen wie Klimarisikoanalyse, Nachhaltigkeitskommunikation oder der Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen in Abstimmung mit den teilnehmenden Unternehmen stattfinden.
Der zweite große Meilenstein des Jahres folgt am 23. November: In diesem Workshop steht ein Benchmarking aller Berichte der Gruppe im Fokus – die Teilnehmenden vergleichen ihre fertigen VSME-Berichte untereinander, ziehen gemeinsam Lernschlüsse und werfen zugleich einen Ausblick auf die regulatorischen und inhaltlichen Anforderungen des Jahres 2027.
Das Projekt zeigt damit exemplarisch, wie sich auch kleinere Energieversorger die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten erleichtern können: Nicht allein, sondern im strukturierten Austausch mit Unternehmen, die vor ganz ähnlichen Fragen stehen.
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