Nachhaltigkeit in unsicheren Zeiten: Ein Rückblick auf das erste Treffen der User Group Nachhaltigkeitsmanagement

Heute nehmen wir Sie mit in das erste Arbeitstreffen der User Group Nachhaltigkeitsmanagement und schenken Ihnen spannende Einblicke.

Typ:
Blogartikel
Rubrik:
Unternehmensorganisation
Themen:
Nachhaltigkeit Energiewende Personalmanagement Organisationsmanagement
Nachhaltigkeit in unsicheren Zeiten: Ein Rückblick auf das erste Treffen der User Group Nachhaltigkeitsmanagement

Am 16. und 17. Juni 2026 fiel in Leipzig der erste offizielle Startschuss nach dem Auftaktreffen im November für die User Group Nachhaltigkeitsmanagement. Das Ziel dieses Treffens war es, der Arbeitsgruppe eine klare Richtung zu geben und das Fundament für einen strukturierten Austausch zu legen. Unter dem Leitthema „Nachhaltigkeit in unsicheren Zeiten“ wurde deutlich, dass professionelles Nachhaltigkeitsmanagement heute weit über die reine Berichterstattung hinausgeht – es ist zum zentralen Steuerungselement für die Finanzierungsfähigkeit geworden. 

In Zeiten politischer und wirtschaftlicher Volatilität stehen kommunale Unternehmen vor der Herausforderung, den Dschungel aus Regulatorik, Datenanforderungen und Transformationspfaden zu durchdringen. Unsere neu gegründete User Group Nachhaltigkeitsmanagement bietet hierfür die notwendige Plattform, um vom bloßen Reagieren in ein proaktives Gestalten zu kommen.

Von der Pflicht zur strategischen Chance

Der Auftakt der User Group verdeutlichte den Paradigmenwechsel im Nachhaltigkeitsmanagement. Während das Thema lange Zeit unter dem Aspekt „CSR & Reputation” geführt wurde, hat sich der Fokus nun massiv in Richtung Risikoidentifikation, Steuerung und Transformationsplanung verschoben.  

Die Expertenvorträge von DKB und Helaba zeigten auf, dass wir uns in einer Phase des „neuen Realismus“ befinden. Trotz punktueller politischer Erleichterungen, wie dem Omnibus-Paket zur Vereinfachung von CSRD/CSDDD, bleibt der aufsichtsrechtliche Druck auf Banken und deren Kreditnehmer hoch. Das Ziel der User Group ist es daher, Nachhaltigkeit als integralen Bestandteil der Geschäftsstrategie zu etablieren, um die langfristige Resilienz der Unternehmen sicherzustellen. 

Sybille Richter, Direktorin Öffentliche Hand der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen mit ihrem Impulsvortrag zur Relevanz von Klimarisiken durch gestiegene ESG-Anforderungen

Fokus Bankenregulatorik: ESG als harter Kreditfaktor

Ein Kernpunkt des Auftakttreffens war die intensive Auseinandersetzung mit der neuen Bankenregulatorik. Es wurde klar kommuniziert: ESG-Faktoren sind für Banken keine „weichen“ Themen mehr, sondern unmittelbar kreditrelevant.

Die wichtigsten regulatorischen Treiber im Überblick:

  • EBA-Leitlinien zum Management von ESG-Risiken (EBA/GL/2025/01): Diese seit Januar 2026 anzuwendenden Leitlinien fordern Mindeststandards für die Identifikation, Bewertung und Steuerung von ESG-Risiken. Banken müssen sicherstellen, dass die Geschäftsmodelle ihrer Kunden auch über einen Zeithorizont von mehr als 10 Jahren gegenüber physischen und transitorischen Klimarisiken resilient sind.
  • MaRisk 7. Novelle: Diese integriert die ESG-Anforderungen fest in das Risikomanagement-Framework der Institute.
  • EU-Taxonomie: Als einheitliches Klassifizierungssystem schafft sie Transparenz und definiert, welche Investitionen als ökologisch nachhaltig gelten. Für Banken ist dies die Basis für die Berechnung der Green Asset Ratio (GAR).

 

Scoring und Assessment

Wie diese Regulatorik in der Praxis ankommt, wurde anhand der Instrumente der Helaba verdeutlicht. Kommunale Unternehmen werden heute durch Tools wie den RSU ESG-Score (Skala A bis E) bewertet. Hierbei fließen quantitative Daten wie Emissionen (Scope 1-3) zu 60 % in die Umweltbewertung ein.  

Für besonders CO2-intensive Sektoren wird zudem ein Transition Readiness Assessment (TRA) durchgeführt. Dieses prüft nicht nur den Status Quo, sondern blickt zukunftsgerichtet auf die Glaubwürdigkeit von Transitionsplänen. Unternehmen müssen belegen, dass ihre Reduktionsziele mit dem Pariser Klimaabkommen konform sind, um keine Abstriche in der Risikobewertung („Notch Down“) zu riskieren.

 

Gemeinsam durch die Transformation

Das erste Treffen der User Group Nachhaltigkeitsmanagement hat eines gezeigt: 

Der Austausch mit Stakeholdern und Finanzierungspartnern ist ein essenzieller Schritt, um die Transformation zu bewältigen. Die gelungene Mischung aus strategischer Weichenstellung und fachlichen thematischen Ausflügen, wie in die Bankenregulatorik stieß bei den Teilnehmern auf sehr positive Resonanz. 

Austauschkreise zu aktuellen Top-Themen im Nachhaltigkeitsmanagement

In Zukunft wollen wir Nachhaltigkeit nicht als Last, sondern als Werkzeug zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und günstigen Finanzierungskonditionen begreifen. Wir freuen uns auf die kommenden Arbeitstreffen, in denen wir diese Themen weiter vertiefen werden. 

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