Omnibus-Verordnung: Entlastung oder neue Unsicherheit für EVU und Stadtwerke?
Die EU hat die Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft. Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) standen viele Energieversorgungsunternehmen vor großen Herausforderungen. Nun soll die Omnibus-Verordnung die Regeln wieder lockern. Doch wie weit geht diese Entlastung und was bedeutet das für EVU, Stadtwerke und Netzbetreiber in Deutschland? Hier eine Einordnung.
Was ist die Omnibus-Verordnung?
Die Omnibus-Verordnung ist ein umfassendes Gesetzespaket der EU-Kommission, das mehrere bestehende Nachhaltigkeitsvorschriften gleichzeitig anpasst. Ziel ist es, den Anwenderbereich zu reduzieren und die Standards zu vereinfachen. Betroffen sind zentrale Regelwerke wie
- CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)
- CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive)
- EU-Taxonomie
- CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism)
Für die CSRD bedeutet der Vorschlag vor allem eine Verschiebung der Fristen („Stop-the-Clock“), eine Anhebung der Schwellenwerte und eine deutliche Entlastung für kleine und mittlere Unternehmen.
Aktueller Stand
Die „Stop-the-Clock“-Regelung ist bereits beschlossen: Für Unternehmen der Welle 2 beginnt die Pflicht erst 2027, für Welle 3 im Jahr 2028. Damit verschiebt sich die Umsetzung um zwei Jahre.
Im Dezember hat die EU die neuen Schwellenwerte für die CSRD beschlossen. Künftig müssen große Unternehmen nur noch berichten, wenn diese mehr als 1.000 Mitarbeiter haben und der Nettoumsatz über 450 Mio. € liegt.
Parallel wird derzeit an ebenfalls an der inhaltlichen Vereinfachung der CSRD in Form des begleitenden Standards des ESRS (European Sustainability Reporting Standards) gearbeitet. Dazu hat die EFRAG als verantwortliche Institution im Dezember eine vereinfachte Version des ESRS an die EU übergeben. Diese wird nun auf europäischer Ebene diskutiert und soll voraussichtlich bis Mitte 2026 von der EU beschlossen werden. Zudem möchte die EU mit dem sogenannten Value-Chain-Cap verhindern, dass kleine Unternehmen indirekt berichtspflichtig werden.
Was bedeutet das für EVU, Stadtwerke und Netzbetreiber?
Viele mittelgroße Energieversorger werden voraussichtlich aus der CSRD-Pflicht herausfallen. Dennoch bleibt die Frage: Warum berichten, wenn man nicht muss? Die Antwort ist einfach: ESG-Daten sind weiterhin entscheidend für die Finanzierung und die Zusammenarbeit in der Branche. Ein VSME-Bericht (Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs) erhöht die Transparenz und erleichtert Gespräche über Kreditkonditionen und Fördermittel. Auch bei Ausschreibungen und Partnerschaften im Netzausbau, in der Erzeugung oder im Contracting werden belastbare ESG-Informationen erwartet. Die geplante Value-Chain-Cap reduziert zwar die Pflichtabfragen, ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, Mindeststandards nachweisbar einzuhalten.
Darüber hinaus ist eine frühzeitige Berichterstattung ein strategischer Vorteil. Wer jetzt mit einem „Light“-Ansatz beginnt, kann später problemlos skalieren.
Nachhaltigkeit gemeinsam angehen und im Netzwerk vertiefen
Als Versorger, Netzbetreiber oder Stadtwerk müssen Sie diesen Weg nicht allein gehen. Nachhaltigkeitsmanagement ist ein komplexes, sich dynamisch entwickelndes Aufgabenfeld – und wir begleiten diesen Prozess aus Überzeugung. Unser Anspruch ist es, Orientierung zu geben, Synergien zu nutzen und gemeinsam mit der Branche Lösungen zu entwickeln, die im Alltag wirklich funktionieren. Wir wollen uns das gemeinsam „antun“ und nicht nur abwarten!
Genau hier setzt unsere neue User Group Nachhaltigkeitsmanagement an. Sie bietet Ihnen einen geschützten Raum, um sich gezielt mit Expert/-innen und Praktiker/-innen zu den zentralen Herausforderungen auszutauschen und gemeinsam nutzbare Lösungen zu entwickeln. Die Treffen verbinden fachliche Impulse, Best Practices aus aktuellen Projekten und die Möglichkeit, individuelle Fragestellungen direkt einzubringen.
Die Gruppe verfolgt das Ziel, einen praxisorientierten Austauschraum für Fach- und Führungskräfte zu schaffen, die Nachhaltigkeit nicht nur berichten, sondern im Unternehmen wirksam verankern wollen. Bereits beim Auftakt wurde deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen in der Branche sind – und wie groß der Bedarf an konkreten Lösungen, erprobten Vorgehensweisen und einer Plattform für offenen Austausch ist.
Auf der Agenda des Auftakttreffens im November 2025 standen unter anderem Erfahrungsberichte zu den Lessons Learned im Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagements sowie Einblicke aus aktuellen Projekten in der Branche – etwa zur Durchführung von Klimarisikoanalysen, zur operativen Umsetzung der CSRD oder zur strukturierten Einbindung von Nachhaltigkeit in Steuerungs- und Investitionsprozesse. Besonders wertvoll war für viele Teilnehmende der Blick hinter die Kulissen: Welche Kennzahlen funktionieren im Alltag tatsächlich? Wo hakt die Datenerhebung? Und wie gelingt es, Nachhaltigkeit dauerhaft in Reporting, Organisation und Finanzierung zu integrieren?
Aus unseren Projekten mit EVU und Stadtwerken zeigt sich zudem, dass sich viele Unternehmen derzeit mit ähnlichen Fragen beschäftigen:
- Wie lässt sich Nachhaltigkeit effizient in bestehende Controlling- und Risikomanagementstrukturen einbetten?
- Welche digitalen Tools helfen bei der Datenerhebung, -qualität und -automatisierung?
- Wie können Maßnahmen finanziell bewertet und strategisch priorisiert werden?
- Und wie kann man intern Akzeptanz schaffen und Verantwortlichkeiten klar regeln?
Wenn Sie sich intensiver mit uns austauschen möchten – sei es zu spezifischen Projekterfahrungen oder zu Ihren aktuellen Fragestellungen im Nachhaltigkeitsmanagement – stehen Gerrit Schumann und Kurt-Jacob Schwebler gerne für ein unverbindliches Gespräch zur Verfügung.
Alle Informationen zur User Group Nachhaltigkeitsmanagement finden Sie hier: mehr erfahren
Unsere Beratungsangebote für Ihre Nachhaltigkeitsstrategie und -berichterstattung
Wir unterstützen Unternehmen zudem umfassend bei der Entwicklung und Implementierung ihrer Nachhaltigkeitsstrategie sowie bei der Erfüllung der Berichtspflichten (CSRD & VSME). Unsere Angebote umfassen die Erstellung von Nachhaltigkeitsstrategien inklusive der Verankerung im Unternehmen und dem Aufbau dedizierter Nachhaltigkeitsteams. Im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung bieten wir die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten, die Durchführung von doppelten Wesentlichkeitsanalysen sowie GAP-Analysen an – sowohl als individuelle Projekte für Ihr Unternehmen als auch in kollaborativen Ansätzen, die den Austausch und die Synergien mit anderen Energieversorgern ermöglichen.
Darüber hinaus unterstützen wir Sie bei der Erstellung einer Treibhausgasbilanz und der Durchführung von Klimarisikoanalysen, welche eine wesentliche Grundlage für Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung darstellen. Für eine effiziente Berichterstattung setzen wir zudem auf innovative Lösungen wie das Projekt “GenAI-Factory” mit KI-Unterstützung.
Abgerundet wird unser Portfolio durch Impulsvorträge und Workshops zu aktuellen Berichtstandards (CSRD & VSME), CO2-Bilanzierung, und der Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen in Ihrem Unternehmen. Bei all unseren Lösungen greifen wir auf unsere umfassenden Projekterfahrungen in diesem Bereich zurück und stellen wertvolle Best-Practice-Ansätze zur Verfügung. Für Anfragen zu diesen Angeboten steht Ihnen Gerrit Schumann unter +49 341 98988-536 oder gerrit.schumann@energieforen.de zur Verfügung.